Vor 15 Jahren gab es plötzlich einen neuen Berufszweig im Bibliotheksgewerbe: Den des Retro-Konversierers (Konversateurs?) der alten Zettelkataloge, hin zum Online-Katalog. Bereits seit 1971 besteht ein anderes ehrgeiziges Vorläuferprojekt heutiger Digitalisierungsvorhaben: das Projekt Gutenberg wollte die literarischen Klassiker (die nicht mehr von Copyrights belasteten) digitalisieren und als ‘Volltext’ zugänglich machen. Nun hat die Bundesregierung einen weiterführenden Schritt unternommen um die vorübergehende Marktherrschaft von Google Books auf dem Terrain der digitalisierten, frei zugänglichen Bibliothek zu stoppen. Eine ‘Deutsche Digitale Bibliothek’ soll Digitalisierungsvorhaben der wissenschaftlichen und anderen öffentlichen Bibliotheken vernetzen und das staatliche Monopol auf den gutbürgerlichen Zugang zum Wissen sichern helfen. Diese öffentlichen Digitalisierungsvorhaben gibt es natürlich auch schon seit beinah 20 Jahren (z.b. als Teil des Telematics for libraries-Programms der EU), allerdings war Google einfach schneller und pragmatischer vorgegangen. Diese Deutsche Digitale Bibliothek soll dann in das gesamteuropäische Vernetzungsprojekt europeana eingebettet werden. Projekte von solchen Dimensionen werden natürlich eine Weile in Anspruch nehmen und in der Zwischenzeit wird man wohl doch bei google-books, projekt gutenberg oder dem open-library projekt von archive.org landen…
Vor kurzem überfiel mich plötzlich ein Interesse für den Schriftsteller Salamon Dembitzer, auf den ich in einer verschollenen Leipziger Anthologie stiess. Dort stand, er habe in meiner Geburtsstadt Kassel gelebt und für die dortige Kasseler Volkszeitung geschrieben. Ähnlich wie der hier porträtierte Samuel Agnon war Dembitzer ein ausgesprochen produktiver Schriftsteller, der seit kurzem auch wieder mit zwei Bänden (Visum nach Amerika und die Geistigen, im Weidle Verlag) auf dem deutschen Buchmarkt zugänglich gemacht ist. Ich war sehr froh als ich vor kurzem bei Archive.org auf unveröffentlichte Manuskripte von Dembitzer stiess.
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